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„Keine Kommune schafft es für sich allein!“

„Keine Kommune schafft es für sich allein!“

Kurzinterview des dbb mit Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, zur IT-Sicherheit in Städten und Gemeinden, wie diese dabei aufgestellt sind und was für die Personalgewinnung vor Ort getan werden kann.


Immer wieder wird in den Medien über Cyber-Angriffe auf Kommunen berichtet, die in besonders schlimmen Fällen sogar schon zum Ausfall der gesamten IT-Infrastruktur geführt haben. Sind die Kommunen gut genug auf solche Attacken vorbereitet?

Die Zahl der Cyberangriffe in Deutschland und weltweit nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Nach Schätzungen des Digitalverbandes Bitkom betrug der Schaden durch derartige Angriffe im Jahr 2020 allein in Deutschland mehr als 200 Milliarden Euro. Auch die Fälle in einzelnen Landkreisen, Städten und Gemeinden in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass die Bedrohung real ist. Die Kommunen arbeiten daran, sich gegen die Bedrohungen wirksam zu schützen und in einem möglichen Schadensfall wirksam reagieren zu können. Hier hilft etwa das IT-Grundschutzprofil, das die kommunalen Spitzenverbände gemeinsam mit dem BSI entwickelt haben. Um uns möglichst gut zu schützen brauchen wir ein gemeinsames Vorgehen von öffentlicher Hand und den IT-Unternehmen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass auch innerhalb der Verwaltungen für Vorsicht geworben und Kompetenzen vermittelt werden. Vielfach sind Angriffe vermeidbar, da sie auf klassischen Werkzeugen wie etwa Schadprogrammen in Mailanhängen oder ähnlichem aufbauen. Klar ist aber auch, dass der bestmögliche Schutz vor Bedrohungen keine hundertprozentige Sicherheit bietet. Cyber-Angriffe werden von hochprofessionellen kriminellen Strukturen ausgeführt, das muss allen klar sein.

Sehen Sie die Länder in der Pflicht, ihre Kommunen bei der Abwehr von Cyber-Angriffen besser unterstützen?

Die Länder können die Kommunen unter anderem durch den Aufbau gemeinsamer Krisenreaktionsteams, sogenannter CERT, helfen. Klar ist, dass es keine Kommune für sich allein schafft, daher sind die Länder gefordert, gemeinsam mit den Kommunen Konzepte zu entwickeln, Schutz aufzubauen und die Städte und Gemeinden auch finanziell zu unterstützen. Zur besseren Aufstellung kann der Ausbau des BSI, der Aufbau von landeseigenen IT-Sicherheitsstrukturen, aber auch die enge und offene Zusammenarbeit mit Spezialistinnen und Spezialisten aus den privaten Unternehmen beitragen.

Auch die Städte und Gemeinden leiden zunehmend unter dem Mangel an Fachkräften. Wie können kommunale Arbeitgeber gegen ihre Konkurrenten auf dem regionalen Arbeitsmarkt bestehen?

Der demografische Wandel, über den seit vielen Jahren diskutiert wird, zeigt sich seit einigen Jahren nun deutlich auch bei der Frage der Personalgewinnung. Die Kommunen stehen hier vor der Aufgabe, mit guten Konzepten zu punkten und ihren Stellenwert als attraktiver Arbeitgeber herauszuarbeiten. Wir müssen deutlich machen, dass es in der öffentlichen Verwaltung sichere Jobs, flexible Arbeitszeitmodelle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vor allem eine attraktive, sinnstiftende Beschäftigung gibt. Klar ist aber auch, dass sich die Kommunen auf die veränderte Lage am Arbeitsmarkt einstellen und aktiv um gute Kräfte werben müssen. Die klassische Stellenausschreibung dürfte in den wenigsten Fällen von Erfolg gekrönt sein, es muss viel mehr um die Etablierung einer attraktiven Arbeitgebermarke gehen, um sichtbar zu werden.

Die härtesten Kämpfe werden dem Vernehmen nach um Fachkräfte aus den so genannten MINT-Berufen geführt. Wie gelingt es, genügend qualifizierte Ingenieure oder IT-Spezialisten für den kommunalen Dienst zu gewinnen und dort zu halten?

Ingenieure und IT-Spezialisten sind vielfach schwer zu finden, zudem ist die Konkurrenz zu den privaten Arbeitgebern hier sehr ausgeprägt. Wir müssen sicherlich über die Vergütungsmodelle nachdenken, um hier konkurrenzfähig zu bleiben. Allerdings erscheint es noch wichtiger, den Aspekt der interkommunalen Zusammenarbeit zu stärken, Aufgaben gemeinsam zu erbringen und sich gemeinsam um hochspezialisierte Fachkräfte zu bemühen. Dieser Gedanke der gemeinsamen Aufgabenerbringung kann dabei helfen, dass die Fachexpertise nicht nur einer, sondern mehreren Kommunen zu Verfügung steht. Außerdem sollten wir die Aus- und Weiterbildung in den Verwaltungen viel stärker auf die Erfordernisse des digitalen Zeitalters anpassen. Wir brauchen nicht nur hochqualifizierte Spezialisten, sondern gute digitale Kenntnisse bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 

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